reiseleben.at

Das Warten auf unser Auto geht weiter, und damit wir nicht in unserem Appartement versauern, planen wir wieder einen kleinen Ausflug. Mit dem Matatu an Mombasas Südküste, an den Diani Beach.

Wir packen unsere Sachen in eine Einkaufstasche und gehen zur Hauptstraße, wo im Nu ein Matatu mit dem Ziel „Ferry“ stehen bleibt – perfekt. Denn um an die Südküste zu kommen, müssen wir den Likoni Kanal überqueren, und das geht ausschließlich mit der Fähre. Für das Matatu bezahlen wir 80 KES pP und fahren bis ca 300 m vor der Anlegestelle. Wir steigen aus und folgen einfach der Menschenmasse, die sich durch einen riesigen Standlmarkt bewegt.

An der Anlegestelle warten viele Autos und noch viel mehr Menschen, doch es geht sehr entspannt zu. Mit der nächsten Fähre kommen wir auch schon mit. Sie macht einen besseren Eindruck als erwartet. Die Überfahrt dauert nur ein paar Minuten.

Fähre über den Likoni Kanal in Mombasa

Am anderen Ufer angekommen wurschteln wir uns wieder durch einen endlos scheinenden Standlmarkt. Am Ende des Marktes stehen dann auch wieder Matatus. Das letzte ist gerade voll geworden und fährt los. Das Nächste ist noch leer. Wir sind die ersten Gäste und so heißt es warten. Kurz sind wir unsicher, ob wir an der richtigen Stelle eingestiegen sind, weil lange niemand kommt. Aber nach ein paar Minuten geht es ganz schnell. Ein Passagier nach dem anderen steigt ein. Einige haben groß eingekauft, die Pakete kommen auf das Dach und werden mit einer dünnen Schnur festgebunden. Dann geht’s los mit großem Tempo. Da wir voll sind und scheinbar die meisten eine weitere Strecke fahren wollen, geht es rasch vorwärts. Der Fahrer kassiert den Fahrpreis – 100 KES pp. So günstig, für eine Fahrt von ca 25 km! An der Ukunda-Diani-Junction steigen wir aus. Es ist fast Mittag, die Sonne knallt vom Himmel, es ist schwül. Und wir haben ein paar km vor uns, bis wir zum Strand kommen. Direkt an der Kreuzung ist viel los, ein paar 100 m danach wird es ruhiger. Bei einem Beyond Fruits kaufen wir uns frisch gepressten Saft (Mango und Zuckerrohr), den wir im Schatten auf einer Bank trinken. Das tut gut! Dann setzen wir unseren Weg zum Strand fort.

Der Strand ist traumhaft. Weißer Sand, blaues Meer. Das Wasser ist weit draußen und der Strand sehr breit. Wir gehen in Richtung Norden, da wir ja zum African Pool wollen. Ein Hotel reiht sich an das nächste, meist kleine Bungalows und schön angelegte Liegebereiche. Hier gehen die Hotelanlagen fließend in den Strand über. Es gibt keine Mauern oder Zäune, anders als in Bamburi. Es ist relativ wenig los, vermutlich liegt es an der Mittagszeit. Nur ein paar Verwegene liegen in der prallen Sonne. Und nur zwei Wahnsinnige stapfen durch den Sand ;-) Wir werden dementsprechend selten von Beach boys angesprochen. Vielleicht sehen wir auch nicht wie ein lohnendes Ziel aus, so mit festen Schuhen und Einkaufssackerl. Ein Beach Boy glaubt uns lange nicht, dass wir aus Nyali kommen. Als er realisiert, dass wir es ernst meinen, beendet er das Gespräch rasch und lässt uns alleine weitergehen. Wir machen ein paar Fotos vom Strand, den Booten, den Verkaufsständen. Hier könnte man es schon aushalten.

Diani Beach

Diani Beach

Verkaufsstand für Strandtücher

Diani Beach

Wir hatten eigentlich geplant, zu Mittag gemütlich in ein Restaurant am Strand einzukehren. Aber wir haben die Strecke unterschätzt, wir sind schon lange unterwegs und haben noch einen guten Weg vor uns. Außerdem haben wir bei dieser Hitze keinen Hunger. Also durchqueren wir den Congo River, der bei Ebbe nur wadentief ist, und gehen weiter.

Als wir auf Höhe der Twiga Lodge ankommen, dort ganz in der Nähe soll sich der African Pool befinden, stellen wir fest, dass der Sandstrand zu Ende geht und nur noch Korallenfelsen im seichten Wasser der Ebbe zu sehen sind. Wir überlegen kurz. Dann entschließen wir uns, über den Tiwi Beach Campingplatz zur Straße zu gehen und weiter vorne eine Stichstraße zu suchen, auf der wir zum African Pool gelangen können. Ein Angestellter, der gerade mit der Wäsche beschäftigt ist, fragt uns, ob wir ein Bodaboda brauchen, und als wir verneinen, sagt er „be careful“. Seltsam. Was soll schon passieren? Wir gehen bis zur Straße, die parallel zum Strand verläuft, dann eine Stichstraße hinein. Die Straße mündet an einem Zaun, aber das Tor steht offen. Die Gebäude auf dem Grundstück sind schon stark verfallen. Bald sehen wir einen Einheimischen, der uns winkt, wir winken zurück. Er stellt sich als Joe vor, er sei der Caretaker des Grundstücks. Wir sind schon richtig hier, von diesem Grundstück aus kann man zu dem Pool hinunter. Er fragt sich, wo unser Auto ist. Als wir sagen, dass wir zu Fuß gekommen sind, ist er verwundert. Es sei keine gute Gegend hier, unsicher, die „boys“ sind hier nicht sehr freundlich. Sie überfallen Leute, wollen an Handys gelangen. Sie hätten Macheten und wären gefährlich. Wir haben keine Menschenseele gesehen.

Joe bringt uns zu den Klippen. Unterhalb liegt der Pool. Er weist uns auch noch auf einen Pickup hin, der mit ein paar Weißen und Schwarzen gekommen ist. Die Leute kenne er, und wir könnten uns ja evtl dieser Gruppe anschließen und mit ihnen zur Hauptstraße zurück fahren. Andernfalls würde er uns ein Bodaboda organisieren. Aber zu Fuß sollten wir nicht gehen.

Wir ziehen unsere Badesachen an und steigen über die steilen Klippen hinunter. Gar nicht so einfach, mit den Badeschlapfen. Die Leute aus dem Auto haben richtige Tauchschuhe an. Das wäre das richtige hier. Der Pool hat nur mit viel Fantasie eine Ähnlichkeit mit den Umrissen des afrikanischen Kontinents. Aber das Wasser ist herrlich kühl, eine prima Abkühlung und Erfrischung. Wir springen abwechselnd hinein. Leider gibt es hier auch viele Seeigel, weshalb wir sehr vorsichtig sein müssen. Wir bleiben nicht lange im Wasser.

African Pool

African Pool

Die andere Gruppe geht dann weiter zum „Australien-Pool“. Wir gehen aber nicht mit, sondern steigen wieder hinauf. Joe soll uns ein Bodaboda organisieren.
Das tut er auch. Allerdings hat er sein Handy nicht bei sich, weil es gerade irgendwo aufgeladen wird. Daher geht er mit uns zum Nachbarn. Die Nachbarin steht mit den Kindern auf dem Feld. Sie ruft uns einen Bodaboda Fahrer an, es wird ein Preis vereinbart und wir warten. Joe schimpft ziemlich über die Regierung – Korruption und Steuern. Er meint, als Christ wisse man, dass man wie eine Wolke am Himmel vergänglich ist und einem nichts ewig gehört. Daher müsse man gut sein und Gutes tun, damit Gott einem das vergilt. Deshalb kümmert er sich um das Grundstück, das einem früheren Finanzminister Kenias gehört hat, dessen Kinder nach seinem Tod aber kein Geld für die Erhaltung haben. Er sammelt Treibgut vom Strand und macht daraus Möbel. Er freut sich sehr über ein langes Tau, das er gefunden hat und sieht das als Gottesgeschenk. Denn damit hat er eine Basis für sein Geschäft bekommen. Gottes Lohn für seine Kümmerei um die Touristen, die hierher kommen. Seit er sich kümmert, hat es auch keine Zwischenfälle mit den drogenabhängigen Boys gegeben.

Nach einiger Weile kommt das Moped und bringt uns zur Hauptstraße. Wir sind sehr froh darüber, nicht weil wir uns gefürchtet hätten, aber es wäre nochmals eine ziemlich lange Wanderung gewesen und wir sind schon müde. An der Hauptstraße bezahlen wir (200 KES, da ist sicher eine Provision für Joe dabei). Dann gehen wir auf die richtige Straßenseite und schon nach wenigen Minuten kommt ein Matatu, das uns mitnimmt. Das hat ausnahmsweise keine Musikanlage und wir genießen die ruhige Fahrt (200 KES). Das Fahrzeug hält unmittelbar bei der Fährstation. Diesmal müssen wir länger warten, denn die Fähre hat gerade erst abgelegt. Zum Glück ist der Wartebereich überdacht und daher nicht so heiß. Wir haben heute wirklich mehr als genug Sonne abbekommen.

Im Matatu

Jetzt zur Stoßzeit sind insgesamt 4 Fähren im Einsatz, zwei in jede Richtung. Trotzdem geht es sehr gemütlich zu, keine große Drängelei. Auch Taschendiebe haben wir nicht beobachtet. Auf der anderen Seite kaufen wir als erstes Wasser und Fanta. Wir sind total ausgetrocknet. Dann gehen wir wieder durch den Standlmarkt zu den Matatus. Wir nehmen das erstbeste und im Nu sind wir voll und es geht los. Wieder retour in Nyali haben wir keine Lust mehr zu Kochen und so gehen wir in die Mall auf Burger und Pommes. Das tut gut.